Das Originalrezept
In der letzten Ausgabe des Küchenspiegels wurde der «Biberli-Chäs» vorgestellt, der kein Biber war, sondern Frischkäse. Heute gibt es schon wieder Käse – als Suppe, die keine ist. Im 100 Jahre alten Rezept von Frau S. aus Meggen, Luzern, hat mich dabei ihre letzte Anmerkung besonders erheitert: «Das Essen schmeckt auch den Herren sehr gut, sollte aber mit Sauerteigbrot gemacht werden, da es kräftiger ist.» Als ob die Kässuppe schon als solche nicht deftig genug wäre!
"Käsesuppe"
Es ist keine Suppe, wie man dem Namen nach glauben könnte, sondern ein nahrhaftes Fasten- und Abendgericht, das so dick gekocht sein soll, dass es auch mit der Gabel gegessen werden könnte.
Auf 1/2 kg altes, recht braun gebackenes Hausbrot rechnet man zirka 350 g alten, fetten Emmentalerkäse und 3—4 Zwiebeln. ketten Lininsntslsrkäss und 3—4 ^viebsln. Brot und Käse werden wie Suppenbrot geschnitten und lagenweise in eine tiefe Schüssel gegeben, mit kochendem Wasser übergössen, bis es darüber "steht und dann zugedeckt eine Stunde stehen gelassen. Dann wird die Masse durch das Salatsieb getrieben, die geschnittenen Zwiebeln in eine tiefe Pfanne mit ziemlich viel heissem Fett gegeben und der Brei beigefügt. Die Masse wird nun ca. eine Stunde langsam kochen gelassen, unter öfterem Rühren und mehrmaligem Loslösen der sich an der Pfanne bildenden Kruste. Letztere erhöht den Wohlgeschmack der Speise, es soll aber nicht zum Anbrennen kommen. Nach einer Stunde wird angerichtet und nach Belieben eine feste Zwiebelscliweize über das Gericht gegeben. Es wird mit Aepfelstückli oder gedörrten Zwetschgen serviert. Salz wird keines zugefügt, da Brot und Käse ja schon gesalzen sind. Das Essen schmeckt auch den Herren sehr gut, sollte aber mit Sauerteigbrot gemacht werden, da es so kräftiger wird.
Frau S., Meggen.